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Alles Gute im neuen Jahr!


Leider Fernunterricht bis zum 31. Januar.

   

ZeitzeugeMauerbau, Fluchthilfe und Leben in der DDR

„So wurde uns der Wunsch nach Befreiung aus einer Diktatur, hinein in eine freiheitliche Grundordnung erfüllt. Darum seid auch ihr politisch aktiv, gebt eure Stimme bei den Wahlen ab und lasst sie hören.“ Mit diesen Worten endete die vorletzte Doppelstunde der Geschichtskurse der diesjährigen Abiturientinnen und Abiturienten. Fast zwei geschlagene Stunden waren wie im Fluge vergangen. Gebannt hatten die Schülerinnen und Schüler den Erzählungen von Joachim Rudolph aus Berlin zugehört. Immer wieder stellten sie ihm ihre Fragen zur Geschichte des Mauerbaus, der Fluchthilfe und dem Leben in der DDR.

Der pensionierte Lehrer erzählte geduldig und anschaulich von seiner eigenen abenteuerlichen Flucht durch eine Wiesen- und Flusslandschaft nach West-Berlin im Jahre 1961 und davon, wie er dann etwas später mit anderen Studenten gemeinsam einen Tunnel gegraben hat: unter der Mauer hindurch, um weitere Menschen aus Ost-Berlin in den Westen zu holen. Der 76-jährige erzählte lebhaft von Plänen eines Mauerdurchbruchs mit einem LKW, gefälschten Ausweisen, von Menschen, die über S-Bahn-Dämme kletterten oder die Spree durchschwimmen wollten. Und dann beantwortete er die zahlreichen Fragen zum Tunnel: wie das Wasser einfiel, von falschen Stadtplänen und von den Menschen, die glücklich mit Kindern und Freunden in die Freiheit kamen.

„Wie war das mit Ihrem Studium?“, „Wie hat Ihre Familie auf Ihre Fluchtpläne reagiert?“, „Wie fühlten Sie sich, als Sie nach der Wende das erste Mal in Ost-Berlin waren?“, „Wann war das?“: Der Zeitzeuge beantwortete alles geduldig und zeigte damit sehr authentisch, wie bedrängend die politische Lage in der DDR für die Menschen war, ein Weg zwischen Opposition in den eigenen vier Wänden und Anpassung nach außen hin, weil alles andere mit Sicherheit in die Unfreiheit geführt hätte. Auch nach der Flucht war die Beobachtung durch die Staatssicherheit noch lange spürbar für ihn als Flüchtling und erst recht als Fluchthelfer. Erst Mitte der siebziger Jahre konnte er sich wieder relativ sicher fühlen.

Mit großem Applaus verabschiedeten sich die Abiturienten von dem Zeitzeugen der DDR-Geschichte. Jochim Rudolph dankte für die Einladung und freute sich sehr über das große Interesse. Die Veranstaltung war möglich geworden durch den persönlichen Kontakt von Frau Eske-Keller und die Unterstützung des Fördervereins. Vielen Dank an alle, die an der Organisation beteiligt waren und vor allem an Herrn Rudolph.

Regina Eske-Keller

   
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